Jürgen Cain-Külbel

Jürgen Cain-Külbel 2017-04-19T01:06:57+00:00

Project Description

Jürgen Cain-Külbe
Schriftsteller

geboren 1956

Loge „Zum Ölzweig“ i.Or. Bremen

Wielands Herbstspaziergang

Geschwängert von der Macht des Winters

säuselt kalter Herbstwind um mein Haupt.

Mit erfrorener Seele fürs Leben noch blinder,

gerinnt Blut zu Eis, das die Empfindung mir raubt.

Der greise Herbst weht sich erschöpft hinweg,

verstohlen kriecht der Winter vom frostigen Bett.

Die heißblütigen Farben sind längst verblichen,

der duftende Äther ist prüdem Grau gewichen.

Nichts, was in farbenfrohen Kleidern kokett hofiert,

die flüchtige Pracht hat modrige Pforten passiert.

Feld und Wald liegen innig umschlungen im Grabe,

zeugen in tiefster Liebe des künftigen Lenzes Gabe.

O Frühling, du bist wie ein Kristall in meinem Herzen.

Ich behüte dich als einen wunderschönen Schatz.

Nun stichst du mich, vermehrst des Müden Schmerzen.

Will’s gern erleiden,

für alle Ewigkeit, schenk ich dir diesen Platz.

O Glücklicher, so kalt ist’s nicht um Dich!

Lass es nicht zu, dass der Kristall in dir zerbricht,

gib keinen Grund, dass diese Liebe gar erlischt.

Lang ist es her, dass ich zur eignen Ruhe fand.

Ich fand sie hier. Dank dir, o Straßburger Land!

Der schneidende Wind schlägt mir ins Gesicht,

der auch des Flusses schweigsames Antlitz bricht.

Sieh!

Ein Blatt,

Sacht schwebt’s herab

und gleitet zärtlich in des Wassers Schoß.

O, wie die Ill erzittert.

Das ist die Kraft der Liebe.

 

Prometheus und Pandora

Verscheuche den Fog, Prometheus,

Mit Helios’ Licht!

Zeig’ dich herrisches Los,

Raus aus dem Loch,

Und schau dir deine Torheit an.

Es schreit dein Mensch leise.

Edle Gabe,

die du ihm schenktest,

Zum besten Entwurf,

Pferchen die Brust,

Schleifen das Hirn.

Sag, willst uns strafen?

Mit eherner Stirn

Trotzest du einst dem Zeuse,

Seinem sturen Willen,

Wir hatten keinen.

Nahmst feinen Lehm,

Gabst weiland Leben.

Starrsinn lieh dir Kraft,

Bocksbeinigkeit die Wut,

Bist blind zur Tat geschritten.

Jungfräulicher Mensch,

Wahres Ziel dumpf ahnend,

Entehrte der Sonne Glut,

Die du im Händel errungen,

Zu greifen den Stoff, aus dem er ist.

Lässt den Spross allein,

Verschließt die Augen, so er zündelt!

Rabenvater, du!

Wo hast du dich verkrochen,

Im Gebirg’? Ja, sicher ist’s dort,

Die Flut wallt auf.

Titan! Wir ersticken in Bälde

An deinem Spielzeug.

Gefühllos mag dein Blick

Uns’re Häupter streifen,

Längst reuig gesenkt.

Sohn ewigen Schicksals,

Sprössling der allmächtigen Zeit,

Aus dem Fluss der Tränen

Trink nur einen winzigsten Schluck.

Das Gedärm will platzen,

Galligkeit krallt sich am Herzen fest.

Schöpfer uns’res Lebens,

Tatenlos schaust dem Treiben zu!

War das dein heil’ges Ziel?

Hast kein Mitleid mehr?

D’rauf können wir nicht verzichten!

Gib ein Zeichen,

Weis dem Eigensinn die Schranken,

Führ uns Pandora zu.

Dein Werk schwingt sich zu dir auf.

Prometheus! Heiland du!

Nimm diese Warnung an:

Wir zieh’n zum Olymp!

Hoffnung herbei in schnellem Flug.

Rette dich, die deinen,

den Mensch!